Schüler der Werkrealschule Ostfildern bringen die Methode Straßenfußball an die Wichernschule Fellbach

Es klingt banal und alltäglich: Schüler unterrichten Schüler – was soll daran neu sein? Das ist auch richtig. Daran ist nichts neu. Dennoch ist dieses Projekt zwischen der Erich Kästner Schule in Ostfildern und der Wichernschule in Fellbach besonders. Die Wichernschule ist eine Förderschule und arbeitet schon länger und überzeugt mit dem Bildungskonzept KICKFAIR. Die größte Herausforderung besteht hier immer wieder darin, die verschiedenen Elemente (Spiel, Teamen, Organisieren und Begleitprojekte) den Schüler und Schülerinnen so zugänglich zu machen, dass sie ohne Überforderung (mit der sie immer konfrontiert sind) mit Spaß, Freude und Begeisterung lernen dürfen. Die Erich Kästner Werkrealschule arbeitet ebenfalls seit vielen Jahren mit dem Bildungskonzept KICKFAIR. Dort ist es als Schulprofil fest in das schulische Lernen integriert. Ältere Schüler/-innen sind dort schon KICKFAIR Lehrer/-innen für die Jüngeren.

Sie nun auch zu KICKFAIR Lehrern an anderen Schulen zu machen ist das Neue im peer-to-peer lernen bei KICKFAIR. Es ist einerseits der nächste sinnvolle Schritt im Lernprozess und: es lernen Jugendliche miteinander, die sich im Alltag und ihrer Freizeit kaum (konfliktfrei) begegnen. Im Gegenteil – in unserer Gesellschaft erleben gerade Förderschüler/-innen ein noch größere Ausgrenzung als alle anderen Jugendlichen. In diesem Pilot-Versuch lernen sie und gestalten sie alle gemeinsam.

Die beiden Fußball-Lernen-Global Schulen machen sich seit Juni hier gemeinsam auf den Weg. Ardian (15 Jahre) und Marc (14 Jahre), beide Schüler der Erich Kästner Schule unterrichten  jede Woche an der Wichern-Schule . 12 Schüler/-innen nehmen an der AG Straßenfußball teil, die jeden Mittwoch zwischen 13:40 und 15:00 statt findet. „Für Ardian und Marc sind das ganz neue Herausforderungen und sie werden viel Lernen auch fürs Leben, gerade auch was soziales Engagement und Toleranz angeht.  Ich finde es bemerkenswert, wie sich die beiden für dieses Projekt engagieren“, sagt Julien Hennig von KICKFAIR, der – gemeinsam mit den Lehrern an beiden Schulen“ das Projekt betreut. „Zum Einen müssen sie jede Woche verlässlich vor Ort sein – immerhin ist das ein Fahrweg von über 30 Minuten. Zum Anderen müssen sie sich auf jede AG gut vorbereiten: welche Inhalte, bringe ich wie rüber? Das ist schon anders, als an der eigenen Schule“, so Hennig weiter. Ardian meint dazu: „Es macht mir großen Spaß, auch wenn es manchmal stressig ist und ich denke dann  -hey mann, wie soll ich des denen denn beibringen. Aber dann überleg’ ich mir, wie’s für mich wär. Und wenn’s dann klappt und die Spaß haben bin ich glücklich.“

„Unsere Schüler motiviert das Lernen mit Ardian und Marc total“, sagt Daniel Bugert, Lehrer an der Wichernschule – es ist direkter, konkreter, wahrscheinlich auch authentischer für sie“, so Bugert weiter.

Auch andere Fußball-Lernen-Global- Schulen haben bereits an dieser Form des schulübergreifenden Lernens Interesse bekundet. In der Begleitung durch KICKFAIR geht es aktuell auch darum gemeinsam heraus zu arbeiten, was wie und warum funktioniert (Gelingensfaktoren), um im Netzwerk Fußball-Lernen-Global solche Verortungen gut auf den Weg zu bringen.

zurück