Interviewauszüge
Denkst du, dass die Probleme in deiner Gegend gelöst werden können?
Ja, ich glaube fest daran und deswegen bin ich hier. Ansonsten wäre ich nicht nach Marsabit zurückgekommen und würde nicht tun, was ich tue. Die Lösung liegt in uns selbst, da es nicht Menschen von außerhalb sind, die gegen uns kämpfen. Wir sind es, die gegeneinander kämpfen und so lange wir das tun, können wir weder über Entwicklung noch über Bildung oder andere wichtige Themen sprechen. Wir müssen die Schönheit in der Vielfalt sehen, anstatt nur auf die Unterschiede zu schauen und zu sagen, dass ein anderer Mensch nicht leben soll, weil er anders ist. Wir sollten uns vielmehr überlegen, was wir gemeinsam tun können, um vorwärts zu kommen.
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Du hast mir von Treffen ohne Frauen erzählt, in denen nur Männer über Frieden sprechen.
Die Tradition besagt, dass Frauen keinen Platz im Friedensprozess und in Entwicklungsfragen haben. In Marsabit haben grundsätzlich die Männer das Sagen. Sie verwalten das Geld, sie besitzen die Frauen und sie treffen alle Entscheidungen. Frauen haben keine Stimme. Man kann als Frau zu einem Treffen der Ältesten gehen, aber man darf nichts sagen – nur die Männer dürfen sprechen. 2005 hatten wir hier die große Auseinandersetzungen zwischen den Gabbras und den Boranas, die Leute haben sich bekriegten. Damals kamen bei allen Treffen nur die Männer zusammen. Es gab weder Zeit noch einen Platz, an dem sich Frauen hätten treffen können.
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Niemanden interessierte es, ob die Frauen etwas zu sagen hatten, dabei waren Frauen und Kinder diejenigen, die am meisten betroffen waren. Vor allem die Frauen, da sie während den Auseinandersetzungen ihre Kinder, ihre Männer und ihre Häuser verloren haben. Sie sind diejenigen, die damit klar kommen müssen – genauso wie mit allen anderen Folgen des Konfliktes. Aber solange ihre Stimme nicht gehört wird und solange sie nicht in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden, solange werden wir keine konkrete Lösung finden und in Richtung Frieden gehen können.
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In deinem Kampf für Frieden gab es sicherlich schwere Momente. Erinnerst Du Dich auch an schöne Momente?
Die Leute haben immer gesagt, dass man in Marsabit niemals Mädchen sehen wird, die Fußball spielen. Aber heute sitze ich hier und wir haben zwei Mädchenteams, die Fußball spielen. Sie spielen zu sehen ist für mich der schönste Moment und immer wieder geht mir die Frage durch den Kopf: passiert das hier gerade wirklich? Hin und wieder bin ich sogar nach draußen nachsehen gegangen, und es stimmte.
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